Ein Beispiel einer Heiligen unserer Zeit mag ein wenig verdeutlichen, was es heißt, diesem Gott erstmals und wirklich zu begegnen. Ich denke an die von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochene Afrikanerin Giuseppina Bakhita. Sie war ungefähr – das genaue Datum kannte sie nicht – 1869 in Darfur im Sudan geboren. Mit neun Jahren wurde sie von Sklavenhändlern entführt, blutig geschlagen und fünfmal auf den Sklavenmärkten des Sudan verkauft. Zuletzt war sie als Sklavin der Mutter und der Gattin eines Generals in Diensten und wurde dabei täglich bis aufs Blut gegeißelt, wovon ihr lebenslang 144 Narben verblieben. 1882 wurde sie schließlich von einem italienischen Händler für den italienischen Konsul Callisto Legnani gekauft, der angesichts des Vormarschs der Mahdisten nach Italien zurückkehrte. Hier lernte Bakhita schließlich nach so schrecklichen ,,Patronen’’, denen sie bisher unterstanden war, einen ganz anderen ,,Patron’’ kennen – ,,Paron’’ nannte sie in dem venezianischen Dialekt, den sie nun lernte, den lebendigen Gott, den Gott Jesu Christi. Bisher hatte sie nur Patrone gekannt, die sie verachteten und mißhandelten oder bestenfalls als nützliche Sklavin betrachteten. Aber nun hörte sie, daß es einen ,,Paron’’ über allen Patronen gibt, den Herrn aller Herren und daß dieser Herr gut ist, die Güte selbst. Sie erfuhr, daß dieser Herr auch sie kennt, auch sie geschaffen hat – ja, daß er sie liebt. Auch sie war geliebt, und zwar von dem obersten Paron, vor dem alle anderen Patrone auch nur selber armselige Diener sind. Sie war gekannt und geliebt und wurde erwartet. Ja, dieser Patron hatte selbst das Schicksal des Geschlagenwerdens auf sich genommen und wartete nun ,,zur Rechten des Vaters’’ auf sie. Nun hatte sie ,,Hoffnung’’ – nicht mehr bloß die kleine Hoffnung, weniger grausame Herren zu finden, sondern die große Hoffnung: Ich bin definitiv geliebt, und was immer mir geschieht – ich werde von dieser Liebe erwartet. Und so ist mein Leben gut. Durch diese Hoffnungserkenntnis war sie ,,erlöst’’, nun keine Sklavin mehr, sondern freies Kind Gottes. Sie verstand, was Paulus sagte, wenn er die Epheser daran erinnerte, daß sie vorher ohne Hoffnung und ohne Gott in der Welt gewesen waren – ohne Hoffnung, weil ohne Gott. So weigerte sie sich, als man sie wieder in den Sudan zurückbringen wollte; sie war nicht bereit, sich von ihrem ,,Paron’’ noch einmal trennen zu lassen. Am 9. Januar 1890 wurde sie getauft und gefirmt und empfing die erste heilige Kommunion aus der Hand des Patriarchen von Venedig. Am 8. Dezember 1896 legte sie in Verona die Gelübde der Canossa-Schwestern ab und hat von da an – neben ihren Arbeiten in der Sakristei und an der Klosterpforte – vor allem in verschiedenen Reisen in Italien zur Mission zu ermutigen versucht: Die Befreiung, die sie selbst durch die Begegnung mit dem Gott Jesu Christi empfangen hatte, die mußte sie weitergeben, die mußte auch anderen, möglichst vielen, geschenkt werden. Die Hoffnung, die ihr geworden war und sie ,,erlöst’’ hatte, durfte sie nicht für sich behalten; sie sollte zu vielen, zu allen kommen.

Dr. Joseph Ratzinger alias Benedictus PP XVI am 30. November 2007

 

Es geht religionsgemäß weiter nicht ab ohne Märchen. Es geht
religionsgemäß weiter nicht ab ohne Verschweigen der tatsächlichen,
somit nachprüfbaren Ereignisse. Es geht religionsgemäß weiter nicht
ab ohne tolldreiste Geistessprünge. Es geht religionsgemäß weiter nicht
ab ohne Duldung und Erduldung von ...

Dafür ist auch die neue Enzyklika des jetzigen Theokraten wiederum ein
Beispiel, die zwar keinen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung
zu leisten imstande ist, dennoch außerhalb der römisch-katholischen Mauern ebenfalls heftig besprochen werden will und auch unnötigerweise besprochen wird.

Es stürzt aber wieder einmal das gesamte ideologische Gerüst einer religiösen Organisation, in diesem Fall das römisch-katholische ein, wird das eine konkrete Beispiel eines »erlösten« Menschen, von dem in dieser Enzyklika gesprochen wird, auf die tatsächlichen Begebenheiten zurückgeführt. Dieses eine konkrete Beispiel reicht also vollkommen aus, um sagen zu können,
außerhalb der römisch-katholischen Mauern kann getrost auch auf diese Enzyklika vergessen werden.

Die »Erlösung« war rein weltlich.

Auf http://www.afrol.com/archive/josephine_bakhita.htm u.a. kann gelesen werden, warum sie keine Sklavin mehr war, warum sie sich gegen ein Zurückbringen in den Sudan erfolgreich — aber nicht allein — wehren konnte.

Aber dieses vom Theokraten konkret angeführte Beispiel eines in Sklaverei gehaltenen Menschen macht erneut grausam kenntlich, welche Art von Menschen Religionsgemeinschaften sich halten möchten: »If I was to meet those slave raiders that abducted me and those who tortured me, I’d kneel down to them to kiss their hands, because, if it had not been for them, I would not have become a Christian and religious woman.«

Und auf der Homepage vom Vatikan ist zu lesen: »On December 8, 1896 Josephine Bakhita was consecrated forever to God whom she called with
the sweet expression ›the master‹«. Wieder und wieder verkauft von einem »Master« ...

So sieht ein »erlöstes« Leben in Christo alias Benedicto also aus: die Tür- steherin eines »Masters« sein und am Ende des Lebens, gepeinigt von
Krankheit, immer noch und weiter klagen zu dürfen:»Please loosen the
chains ...«

6. Dezember 2007