Dr. Lothar Höbelt scheint der Meinung zu sein, die »Wiener Zeitung« werde inzwischen ohnehin nur mehr von den »Falschen« gelesen, für die es sich nicht weiter lohne, zum eigentlichen Thema zu sprechen, darüber also, worum es
damals in der Auseinandersetzung mit und um Dr. Kurt Waldheim tatsächlich ging. Kurt Waldheim wurde keineswegs der Hauptvorwurf gemacht, Soldat gewesen zu sein. Dr. Kurt Waldheim war daher auch kein »Opfer eines veränderten Verhältnisses zur allgemeinen Wehrpflicht«.
Prof. Höbelt weiß es besser, aber für die »Wiener Zeitung«
kann wohl mit Wissen gegeizt werden. Es ist zu vermuten,
daß Prof. Höbelt durchaus klüger argumentieren kann. Seine Laudatio auf Dr. Stefan Scheil anläßlich der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises in 2005 könnte dafür ein Beleg sein. Vielleicht waren seine Bemühungen um Formulierungen aber mehr juridischen Gründen geschuldet? Denn solche Gründe fordern doch immer stark heraus, das Beste zu geben. Die Laudatio entbehrt jedenfalls nicht der Raffinesse: besonders
im Hinblick auf das verfolgte Leben von Gerhard Löwenthal als Jude im Dritten Reich.
In einer Diskussion mit Burschenschaftern über »Befreiung oder Niederlage« kann es freilich leicht passieren, wie in Innsbruck geschehen, daß jedwede Feinheit rasch vom Tisch gewischt wird.
Daß es ein Kompliment ist, kann nicht bestätigt werden, raffiniert aber ist es von der Wochenzeitung »Junge Freiheit« allemal, den Gerhard-Löwenthal-Preis in Kooperation mit
Dr. Ingeborg Löwenthal zu stiften.
Nicht zu erfahren war, ob Dr. Herbert Fleissner 2004 bei der Verleihung des Ehrenpreises an ihn auch »Bravo« rief.
Welche seiner Sprechweisen Prof. Höbelt wohl in seinen Vor- lesungen an der Universität Wien bevorzugt verwendet? Die einem Vortrag nicht unähnliche aus dem Interview mit
Gerhard Frey jr. möglicherweise?
Fraglos großzügig, wenn auch überraschend, ist es von
Prof. Höbelt, überhaupt jemandem, wenigstens »manchen Deutschen«, zuzugestehen, befreit worden zu sein; denn
sitzen und verhaften klingen nicht dermaßen unrechtmäßig
und willkürlich, daß deswegen sofort eine Armee eines anderen Staates zum Beispiel heute in Österreich einmarschieren
müßte. Wer im Gefängnis sitzt, wurde vorher rechtmäßig
wegen einer Straftat verhaftet und sitzt nach rechtmäßiger Verurteilung dann eine Strafe ab; im KZ wurden aber keine rechtmäßig verhängten Strafen abgesessen. Für »viele
andere« aber begannen damals, so Prof. Höbelt lyrisch, »Leid und Gefangenschaft«, weil die Alliierten, könnte daraus geschlossen werden, sich einbildeten, unbedingt »manche Deutsche« aus dem KZ befreien zu müssen.
 

Wieso hat sich Kurt Waldheim nicht einfach zum Zivildienst gemeldet?

Prof. Dr. Lothar Höbelt am 22. Juni 2007

 

 

Die Themen, denen sich unser Preisträger gewidmet hat, sind einerseits mit der Dissertation das Thema des politischen Antisemitismus in Deutschland in der wilhelminischen Epoche, dann eine ganze Serie von Werken zur Anfangsphase
des Zweiten Weltkrieges und die fachliche Kritik der sogenannten Wehrmachtsausstellung.  (...)

 

Die Kontinuität, die Geschichte ausmacht, ist weitgehend verlorengegangen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten etwas gehabt, was einer meiner Lehrer mal als die Reform der Geschichte durch die Elimination der Vergangenheit bezeichnet hat. Die wurde dann substituiert allenfalls durch eine ganz spezifische Vergangenheit, die nicht vergehen darf. Aber doch eher in einem episodischen Charakter, so daß die Geschichte ein wenig in die Richtung der Theologie gerückt wurde, des Religionsunterrichts samt Bußübungen und Wallfahrten, die aber die eigentliche Kausalität der Geschichte, wie es eigentlich gewesen ist und warum sich eines aus dem anderen entwickelt hat, doch eher in den Hintergrund hat treten lassen. (...)

 

Dann kommt es nicht mehr darauf an, ob Sie die Dinge, die Sie behaupten, auch belegen können, ob die dem Dialog mit den Quellen standhalten, sondern dann kommt es nur noch darauf an, im Rahmen des Diskurses mit Ihrer Hypothese sympathisch dazustehen – egal, ob Sie sie belegen können oder nicht. Die Frage, der sich Scheil in letzter Zeit im wesentlichen gewidmet hat, ist die Anfangsphase des Zweiten Weltkrieges. Und dem Autor gebührt ein besonderes Verdienst: weil
er nämlich einen sehr genau argumentierten Schlag führt gegen etwas, was man den deutschen Größenwahn mit verkehrten Vorzeichen nennen könnte. Die gängigen populären Darstellungen zur Genesis des Zweiten Weltkrieges zeichnen ein Bild, das sich vom analytischen Gehalt eigentlich von der Göbbelschen Propaganda nur unwesentlich unterscheidet. Sie haben nämlich ein Bild eines einzigen vitalen Partners im internationalen System, der einer Reihe von dekadent mumifizierten Kontrahenten gegenübersteht, die offenbar regungslos abwarteten, was dem großen Führer denn als nächstes einfällt. Diese Vorstellung eines Akteurs und verschiedener mehr oder weniger unbeteiligter Passanten im internationalen System erscheint doch jedem Kenner als wenig plausibel, und genau hier setzt unser Autor an, indem er diese seltsam pervers herrenmenschliche Attitüde in
der Betrachtung dieser Dinge etwas zurechtrückt. (...)

 

Das Werk unseres Autors ist ein Bekenntnis zur Vernunft, sich nicht in Bekenntnislyrik zu ergehen, sondern zu schauen, wie es eigentlich gewesen ist(.)

Prof. Dr. Lothar Höbelt, Laudatio, Junge Freiheit, 2. Dezember 2005

 

 

Lothar Höbelt, Historiker der Uni Wien, ist einer der drei Stargäste des Abends. Links und rechts von ihm sitzen alte Männer, die der Moderator als "unsere Zeitzeugen" ankündigt. Es sind Otto Scrinzi, Arzt, früher SA-Sturmführer, FPÖ- Nationalratsabgeordneter a.D.; und Herbert Fleissner, deutscher Verleger,
ehemals Hitlerjunge, der rechte Zeitungen wie Zur Zeit unterstützt.

 

Während draußen die Demonstranten gegen das Fenster pumpern, erzählt
Höbelt vom "Begriff der 'Befreiung', der immer relativ ist". Der trainierte Redner
im Trachtenjancker wirft als Randbemerkung ein, "es ist eine gute Idee, dass wir weiterhin einen weißen Papst haben". "Bravo!", sagt Fleissner, klopft mit den Fingergelenken auf den Tisch - und der Saal klopft mit.

 

Höbelt spricht vom "so genannten Holocaust", übergibt das Wort an Scrinzi.
Dieser erzählt "von diesem schrecklichen 8. Mai"; die Niederlage habe ihn tief getroffen. Fleissner sagt, er habe an jenem Tag geheult.

Tirol.com am 20. April 2005
 

Ein Tag der Niederlage war der 8. Mai 1945 auf jeden Fall. Wenn die Armee einer Großmacht kapituliert, ist das ein unzweideutiges Zeichen der Niederlage. Ein Tag der Befreiung? Da kommt es auf den Einzelfall an. Manche Deutsche sind sicherlich befreit worden – wer im KZ saß oder in Gefahr war, verhaftet zu werden. Für viele andere begannen damals Leid und Gefangenschaft. Ich halte den Begriff „Befreiung“ ohnedies für eine pathetische Worthülse, einen politischen Propagandabegriff. Natürlich kann man sagen: Ich bin von einem totalitären Regime befreit worden oder vom Krieg. Aber schlechthin von einem „Tag der Befreiung“ zu sprechen, ist ein Propagandaslogan.

Prof. Dr. Lothar Höbelt im Interview mit Gerhard Frey jr.:
National-Zeitung/Artikel_05/NZ18_4

 

2. Juli 2007