Bernhard Kraut
 
Die Glauben, auch im Design
von Intelligenz, sind keine Lehre,
sondern ideologische Imperative

Eine Erzählung über ein Verkaufsgespräch, ohne zugleich
eine Verteidigung von Wissenschaft und Vernunft zu sein

 

Die Verkäufer der Gütervereinigung Jesu lagern zur Behauptung ihrer Vorrangstellung auf dem Markt, haben Sie nicht schon mal auf das hingewiesen?, für gezielte Einsätze zuhauf Strategien mit dazugehörigen Reklametechniken im Tabernakel: so ist unablässig einer ihrer Hauptverkäufer aus der Zweigniederlassung Alpenfeste weiter on the road, um für die Verbreitung ihres ausschließlich aus Wörtern ziel- und planlos gefertigten Produktes »Gott« auch an Schulen in den Vereinigten Staaten zu werben, für den Rest also heftig zu trommeln, der durch Zufälle in der Entwicklung der Menschheit irgendwann, -wie und -wo dem totalen Abbau des Rohstoffes »Götter« unmenschgemäß entzogen wurde.

Weil jedes ausführliche Eingehen auf die anmaßenden Herabwürdigungen von Wissen- schaft und Vernunft durch Christoph Schönborn eine fortgesetzte Vergeudung von Zeit, Geist, Energie und auch nicht die adäquaten Antworten auf phantastische Erzählungen in unterschiedlichen Formen (Interview, Vortrag, Artikel) wären, wird statt dessen von einem typischen Verkaufsgespräch erzählt. Und was die Moral angeht, nach der einer modernen Erzählung geradewegs zu fragen verboten ist; nun, eingedenk der sich höchst moralisch gebenden Verkäufer werden Sie um Fragen der Ethik nicht herumkommen, auch um das Beurteilen, wie deren Wahrheit beschaffen ist.
Sie können die Erzählung auch als Warentestbericht —, so ein Bericht wäre dann wohl mit »Am Produkt ›Gott‹ verdient bloß der Verkäufer« überschrieben.

Sie haben von einem Produkt »יהוה« zwar schon gehört, es aber noch nicht gesehen oder gar jemals zum Beispiel in einem Kaufhaus in Händen gehalten, um es menschgemäß be- greifen zu können. Ehe Sie also in ein typisches Verkaufsgespräch hineingezogen werden, existiert für Sie das Produkt »« nicht.

In ihrer Anpreisung gehen manche Verkäufer so weit, ihre unfreiwilligen Helfer zu zitieren, um dergestalt noch weitere scheinbare Beweise für die Existenz ihres Produktes zu legen.

Wenn »Gott« tot sei, wie immer noch nachge- redet werde, führen sie etwa an, so müsse er folglich existiert haben, um dann gleich wieder unbewegt von jedweder Bewegung zu psalm- odieren, weiter gegen alles Lebendige.

Da ein Produkt aber, das gilt ebenso für nicht- physische Produkte, nicht lebt, ist auch »Gott« nicht gestorben.

Denn Produkte können bloß als unverkäuflich eingestuft und dann zum Beispiel ersatzlos vom Markt genommen werden, weil erkannt wird, daß diese im Herstellen zu teuer kommen und wie auch oder überholt, im Grunde nutzlos, gefährlich, gesundheitsgefährdend, krankheits- fördernd und derlei mehr sind.

»Gott« existiert während des Verkaufsgespräches auch insofern nur, als der Verkäufer die Existenz seines Produktes wortreich behauptet und zugleich wortreich verschleiert, daß er mit Ihnen ein Verkaufsgespräch führt.

Verantwortlich dafür, daß Sie sich auf ein derartiges Verkaufsgespräch, freilich ohne es zu diesem Zeitpunkt als solches zu erkennen, einlassen, sind vor allem die Gegebenheiten, in denen Sie zu leben haben und die von Ihnen bereits als (auch für Sie selbst) notwendig zu verändernde eingestuft sind, aber noch fehlt Ihnen dafür das geeignete Rüstzeug. Solch ein Hergerichtetsein er- kennt der Verkäufer, mit dem Sie zufällig ins Gespräch kommen, augenblicklich als für sich höchst günstige Be- dingungen für einen erfolgreichen Abschluß.

Der Verkäufer wird den Zufall jedoch stets verneinen und es einzig dem Wirken seines Produktes zuschreiben. Dennoch sind es Gespräche aus Zufall. Die Verkäufer ihres Pro- duktes machen es Ihnen aber auch nahezu unmöglich, ihnen zu entgehen, weil sie an jeder Ecke (wo immer auf Erden) unentwegt darauf lauern Ihnen einzureden, ihr Produkt habe Sie zu ihnen geführt, und nicht die Verkäufer haben sich Ihnen in den Weg gestellt oder sich an Sie, wie an die Testperson, rücklings herangeschlichen:

Sie sind auf der Suche nach einem neuen Obstputzmesser und gelangen so, ohne auf den Weg geachtet zu haben, zum Beispiel in die María Pomočyn ulička und bleiben vor dem Fischrestaurant stehen, weil Sie glauben, der Marktschreier, vor dem Menschen sich neu- gierig drängeln, und den Sie schon von der Passage Dům Obchodní aus hörten, ein lustiger Geselle aus der Zunft der Marktfahrer ist und zufällig einer, so hoffen Sie, der Obstputzmesser anpreist. Aber es ist kein Obstputzmesserverkäufer, der vorführt, was alles sein Produkt gut macht. Dieser jedoch besitzt, wie Sie nun erkennen, gar kein Produkt zum Vorführen. Er führt Worte auf. Und während Sie der Messe zusehen, um sich kurz von der Suche nach einem neuem Obstputzmesser zu erholen, spricht Sie von hinten, sich an Sie herantastend, ein Gehilfe des fahrenden Händlers an und behauptet, es sei kein Zufall, daß Sie gerade hier und gerade jetzt und so weiter und so fort. Sie aber wollen nicht unhöflich sein und hören dem Verkaufsgehilfen freundlich zu, weil auch Sie durch die und Ihre eigenen Lebensumstände zu diesem Zeitpunkt sehr interessiert an Ge- sprächen und sehr bereit sind, zu reden.

Sie werden selbst derartige Gespräche mit Verkäufern des unter zahlreichen Marken- namen angebotenen und doch in der Grundausstattung immer mit den gleichen Wörtern beworbenen Produktes »Gott« unweigerlich und doch immer zufällig des öfteren schon erlebt haben. Deshalb gleich der Sprung zum Abschluß: endlich, Sie stimmen zu, sein Produkt zu erwerben.

Und was haben Sie mit Ihrer Zustimmung erworben? In keinem Fall ein Produkt, sondern bloße Wörter, aus denen Sie das vermeintlich fertige Produkt erst selbst zu basteln haben, wofür Sie aber auf keine zuverlässige und gültige Bedienungsanleitung zurückgreifen können; denn diese gibt es nur in einander widersprechenden Ausführungen. Und Ihr Er- zeugnis? Wieder eines aus Wörtern reihum.

Sie können, ein Rat, eine Verbraucher- und Verbraucherinnenschutzorganisation ersuchen, qua Gericht die Verabschiedung eines Gesetzes mit dem Ziel zu erwirken, daß bereits be- stehende derartige Unternehmen vom Markt auszuschließen und aufzulösen sind und zu- künftig keine mehr gegründet werden dürfen.

Sie können, noch ein Rat, wie Christoph Schönborn von der Thyrannochristus Dox, haupt- beruflich in dieses Geschäft einsteigen. Mit Geschick und hinhaltender Ausdauer werden Sie in diesem Gloriaspiel die Doxales um sich hochziehend es nach ganz vorne oben schaffen und mit dem für den allerersten Verkäufer reservierten, Pracht und Heil aus- strahlenden Titel geadelt. Zudem ist das Geschäft äußerst lukrativ, weil Sie dafür keinen üblichen Aufwand eines Produktionsbetriebes zu treiben haben: somit keine Kosten für Produktion, Lagerung, Transport (auch keine Zoll- und sonstigen Abgaben), keine Kosten für Grundlagenforschung, für weitere Produktentwicklungen und keine Kosten für und so weiter und so weiter. Die Tradetion des Vorbringens von Fürsprachen durch aggressive Networkyisten garantieren Ihnen überdies stets äußerst wohlgesonnene Gesetze, Ihnen stets entgegenkommende Gesetze: solche Geschäfte sind par ordre du mufti bevorzugt zu verhandeln; so unterliegen diese etwa in keiner Weise dem Produkthaftungsgesetz.

Zurecht weisen Sie auch auf das, vor allem das Preisauszeichnungsgesetz! Tatsächlich gibt es kein zweites Produkt, für dessen Verkauf die Pflicht gesetzlich außer Kraft gesetzt ist, erstens Sie zu informieren, daß mit Ihnen ein Verkaufsgespräch geführt wird, und erstens bei Kaufabschluß Sie einen fixen Preis zu entrichten haben. Tatsächlich auch darf Ihnen bei keinem anderen Geschäft straffrei verschwiegen werden, daß Sie einem Teilzahlungs- kauf zustimmen. Es ist weiter das einzige Geschäft, bei dem die Monatsrate als »Steuer« legal getarnt werden darf, und für das der Staat sogar kostenlos mit steuerlicher Ab- setzbarkeit wirbt.

Die Garantiezeit? Pah!

Alles was Sie also benötigen, sind Wörter, die Sie ja reichlich und erneuerbar zur Ver- fügung haben. Und zusätzlich können Sie bei Formulierfaulheit feststehende Redewen- dungen aus Büchern der Phantasie mit Anleitungen für erfolgreiche Verkäufe vollkommen kostenlos entleihen, übrigens sind diese leicht zu finden unter dem Schlagwort »Bibel«.

Sie können aber auch, noch ein Rat — das war

 

jetzt für

 

Sie wohl nicht

 

Sie sehen ja

die

 

Ihre Hände

 

Sie können zum Glück

eine Gnade

 

Die Gicht treibt

oft

 

Schabernack?

Ja

 

 

 

Andreas Unterberger Herwig van Staa Alfred Gusenbauer Josef Cap